Die Salomon 4 Trails …und ich mittendrin. Bin ich hier richtig?

IRGENDWIE UNWIRKLICH. Das ist sie also, die Neuauflage der Salomon 4 Trails. So startet man also in einen Wander- und Laufevent, denke ich, als ich am Abend vor Start der 1. Etappe nach einem Bürotag in Seefeld und wenige Minuten später im Startgelände, wo auch die Akkreditierung, Expo und Pressebüro eingerichtet sind, ankomme. Als völliger Neuling im Wettkampfgeschehen versuche ich mich erstmal zurecht zu finden, eine intensive Mischung aus Neugierde, Nervosität und aufkommender Müdigkeit kann ich jedenfalls nicht leugnen. Nachdem ich mich mit einigen Leuten der Organisation und Presse bekanntgemacht und mich angemeldet habe, geht`s auch schon weiter zur Eröffnungsfeier, welche am selben Abend auf der Rosshütte unterhalb des Seefelder Jochs stattfinden soll.

Gemeinsam mit hunderten begeisterten Trailrunnern und Hikern in weiteren 4 Etappen dem Ziel der 4 Trails – dem Gardasee – entgegen, eine geniale Idee, die mir die meiste Zeit über im Kopf umgeht und mich im Handumdrehen mit in eine Stimmung zieht, die spätestens am Morgen des 1. Etappentages einer idealen Mischung aus Ambition, Spaß und Zusammenhalt zwischen all den Startern gleicht.

Ich selbst habe zwar einige Trailrunning-Erfahrung, etwas wie damit verbundene Ziele und Training jedoch vor wenigen Jahren für mich ad acta gelegt. So stehe ich hier also in der Kategorie Hike am Start, „entspannt“ denke ich und lasse die Stimmung einfach auf mich wirken. Meine Erwartung, dass „Hiking“ hier tatsächlich “Wandern” bedeutet, erweist sich innerhalb des ersten, durchaus knackigen Anstieges schlichtweg als falsch, als ich einige der gemeldeten Hiker ambitioniert losstarten und wenig später laufen sehe. Der Ehrgeiz ist somit auch bei mir geweckt. Ich stelle fest, dass ich zwar nicht aus der Übung bin, jedoch auch keinen Dauerlauf mehr gewohnt bin, bringe die Etappe aber ganz gut hinter mich. Erst im Nachinein und auf der abendlichen Pasta Party habe ich Zeit zu realisieren, was ich an meinem ersten Tag hier an Neuem gesehen und erlebt habe, wieviel Organisationsaufwand mit alldem verbunden ist und wie genial und stimmig die Plan B Event Company dies umsetzt – danke! Für mich dauert der Abend dennoch nicht allzu lange, ich bin richtig müde und falle schon relativ bald ins Bett.

Tag 2, Etappe 2. Was macht das Wetter heute wohl? Am Start studiere ich die Gesichter um mich herum und stelle fest, dass das Wetter hier niemanden zu beschäftigen scheint. Die heutige Route führt uns auf die Gaistalalm und weiter auf die niedere Munde. Vor allem mental für mich äußerst fordernd, die nur wenig technische Strecke zieht sich in meinem Kopf ewig hin, während hier die Vollblutläufer richtig Meter machen. Erst im steileren Anstieg zum höchsten Punkt des Tages kann ich meine Stärke – steileres und felsiges Gelände – nutzen. Letztendlich eine gefühlt unendlich lange 2. Etappe, im Ziel bin ich davon überzeugt, keine weiteren 2 Tage durchhalten zu können..

Schnell wieder vergessen, als ich bei der täglich stattfindenden Pasta Party mit Tages-Etappen-Siegerehrung mit Freunden mehr als genug zu reden und lachen habe. Für genug und gutes Essen ist sowieso gesorgt, auch hier Hut ab vor der Organisation, die hier alles im Griff hat und koordiniert über die Bühne bringt!

OVER THE TOP. Das für mich absolute Highlight sollte aber erst folgen: Etappe 3 startet kühl und nass, Bedingungen, bei denen ich auch sonst gerne unterwegs bin, perfekt. Der Anstieg führt uns diesmal steil, lose und kräftezehrend bis auf`s Stöttltörl, wo mir bei einem nur kurzen Trink- und Fotostopp trotz Hardshelljacke bald ganz schön frisch wird. Die in Nebelschwaden gehüllte Umgebung ist ein Traum, schroff, felsig, mächtig. Beeindruckend, ähnlich den Trails daheim, die ich so sehr mag und so gut kenne. Losreißen muss ich mich von dem Anblick aber dann doch und so ging’s windig-nass vom Törl in den Downhill der mich von jetzt auf gleich in meinen altbekannten Flow und in eine irgendwie andere Welt versetzt. Quasi ungebremst geht’s durch Geröll und Schotter abwärts, Läufer für Läufer steigt zu Seite um mich passieren zu lassen, was für ein Gefühl… Wahnsinn, happy und vollgepumpt mit Adrenalin nehme ich an dem Tag auch das weitere Auf und Ab über die verbleibende Hälfte der Route nicht bewusst wahr, erst nach einem noch motivierten Sprint ins Ziel spüre ich auf der Stelle, wieviel ich mir während der vergangenen Stunden abverlangt habe. Wieder geht’s nach Rückkehr ins Hotel, ersehnter Dusche und Kaffee zur abendlichen Party, allerdings hab ich mit völlig leeren Beinen schon nur mehr Rasten und Schlafen im Kopf.

Aus meinem Tiefschlaf erwache ich am darauffolgenden Morgen mit einem äußerst ernüchternden Gefühl, die Beine leer, der Kopf ebenso müde. Kurz überlege ich nicht mehr an den Start zu gehen, wirklich in Erwägung ziehe ich die Idee aber nicht, genieße mein Frühstück und mach mich auf den Weg. Schleppend versuche ich loszulaufen, als sich auch der Großteil der Starter vor mir nach und nach in Bewegung setzt. Mein Gott, die 4. und letzte Etappe wird ein Kampf, der Gedanke macht sich in meinem Kopf unendlich breit. Der erste lange Anstieg über eine Forststraße zieht sich wie erwartet, ich habe mich zuvor wohl nicht ein einziges Mal so sehr über eine der bestens organisierten Verpflegungsstellen gefreut, wie über die erste dieser Etappe. Kurze Pause, weiter geht’s. Immer besser kann ich mich mental auf die verbleibenden Kilometer einstellen und bin überrascht, dass ich über unzählige leichte Gegenanstiege noch einmal konstant durch- und tatsächlich mit genug Energie ordentlich durch einige Siedlungen und Straßen ins zentral gelegene Ziel in Imst einlaufen kann! Überwältigend, einfach unbeschreiblich das Gefühl des Ankommens nach meinem ersten Hike und Lauf über 4 solcher Etappen!

..Was bleibt da noch offen? Natürlich, die Siegerehrung, welche keine Wünsche offen lässt. Ein riesen Fest, bei dem noch einmal gegenseitig berichtet, gemeinsam gelacht und applaudiert wird. Ich hole selbstverständlich mit Freude noch mein Finisher-Shirt ab und treten leider anschließend gleich noch den Heimweg an.

IN THE BOOKS. Die 4Trails haben mich mit dem gemeinsamen Ziel aller, perfekter Organisation und so vielen angestrengten, aber unendlich zufriedenen Gesichtern einfach überzeugt, kein Wunder, dass da kaum noch jemand an der Teilnahme an den nächsten 4 Trails 2020 zweifelt!

Ein riesengroßes MERCI! an PLAN B Event Company und Orthomol Sport für die mehr als großzügige Einladung zu einem bestens und routiniert durchorganisierten Event, das ich selbst nie in Erwägung gezogen oder mir zum Ziel gesetzt hätte!

Elli

alias berg.maedchen auf Instagram